Ein erfolgreiches Wochenende (3) – Der Fahrstuhl

30.04.2018

Bezirksliga: SC Limperich – SV Turm Sankt Augustin I 1½ : 6½

Nachdem wir in der vorigen Runde durch einen überzeugenden Sieg gegen Hennefs zweite Vertretung einen gewaltigen Schritt Richtung Wiederaufstieg getan hatten, galt es in unserem letzten Kampf, gegen den bisher glücklosen Tabellenletzten SC Limperich I auch die letzten theoretischen Rechenspiele zu bannen, die eine Rückkehr in die Verbandsliga zunichte machen würden. Wahrscheinlich hätte eine knappe Niederlage bereits gereicht, aber ein 4:4 würde alles klar machen.

Wer die beiden vorigen Berichte gelesen hat, weiß bereits, dass unsere beiden Jugendspieler Florian Meinecke und Jean-Pierre Fuß anderweitig verpflichtet waren, und auch Jürgen Muhr musste einmal mehr in dieser Saison passen. Mit Mühe und Not konnten wir drei Spieler der so erfolgreichen zweiten Mannschaft zusammenkratzen, Ralf Günther, Markus Heinen und Andreas Urh, die sich dankenswerterweise zur Verfügung stellten. Unser Gegner musste sein drittes Brett ersetzen.

Schon früh konnte unser 100%-Mann Thomas Kühne, heute an Brett fünf, seine Serie ausbauen, und zwar durch den theoretisch wenig erforschten Zug 1. h2-h4. Sein Gegner muss wohl derartig geschockt gewesen sein, dass er gar nicht erst im Spiellokal erschien.

Bald darauf erhöhte Franz-Josef Knauf durch einen Sieg an Brett drei auf 2:0. Sein Gegner behandelte das Budapester Gambit sehr eigenwillig – wie er sagte, um der gängigen Theorie auszuweichen – und geriet auf einer schiefen Ebene ins Rutschen, sodass es bald kein Halten mehr gab.

Etwas später verkürzte Limperich am sechsten Brett auf 1:2. Unser Ersatzmann Ralf Günther, der als einziger von uns DWZ-mäßig gegenüber seinem Gegner in Nachteil war, hatte lange Zeit eine schwierige Stellung gut verteidigt, zwischenzeitlich sogar Vorteil erzielt, sah aber im Leichtfigurenendspiel nur die gegnerischen, nicht jedoch die eigenen Chancen, und verlor schlussendlich.

Weit vor der Zeitkontrolle konnte ich am Spitzenbrett meinen Vorteil, den ich aus der Eröffnung mitgenommen hatte, ebenfalls in einem Leichtfigurenendspiel in einen vollen Punkt ummünzen. Einmal mehr bestätigte sich die alte Regel, dass bei ungleicher Bauernverteilung und Bauern auf beiden Flügeln der langschrittige Läufer dem kurzbeinigen Springer überlegen ist.

Unser zweiter Ersatzmann Markus Heinen (Brett sieben) stand bereits nach sieben Zügen glatt auf Gewinn. Mehrbauer und schwarzer König auf d7 bei offener Stellung. In der Folge ließ er jedoch Zug um Zug seinen Vorteil verrinnen. Er tauschte seine aktiven Figuren, statt weiter auf Königsangriff zu setzen, verbesserte dabei die Bauernstellung des Gegners und behandelte das Doppelturmendspiel zu passiv, sodass sein Gegner ungefährdet zur Punkteteilung kam.

Andreas Urh legt Wert auf die Feststellung, dass sein Sieg am letzten Brett zum Zwischenstand von 4½:1½ unseren Aufstieg sicherstellte. In ausgeglichener Stellung zog er mit seiner Dame herum, ohne viel zu riskieren, und sein Gegner rammte sich das entscheidende Loch selbst in den Kiel. Ich möchte noch auf eine andere Leistung Andreas hinweisen; er ist nämlich im achten Einsatz unserer Ersatzspieler in dieser Saison der erste, der einen vollen Punkt einstreichen konnte, was aber auch den Qualitätssprung von Bezirksklasse zu Bezirksliga unterstreicht.

Nur einen kurzen Moment später konnte auch Marcus Heinel mit Schwarz an Brett vier einen Sieg verbuchen. In einer Position mit französischer Struktur hatte er seinen Gegner geduldig ausmanövriert, bis dieser die weiße Fahne hissen musste.

Es verblieb noch die Partie an Brett zwei zwischen dem Limpericher Jakob Most, mit 80 Jahren der Nestor der Bezirksliga, und unserem Oleg Leontiev. Dieser hatte sich wie Marcus geduldig aufgebaut und die Ungenauigkeiten seines Gegners in einen Qualitätsgewinn ummünzen können. Nun legte Weiß eine beachtliche Zähigkeit an den Tag bei der Verteidigung seiner schwierigen Stellung, aber Oleg hatte seine drei Kinder als Schlachtenbummler mitgebracht und wollte sie wohl nicht enttäuschen. So kämpfte man weit in die fünfte Stunde hinein, bis der Limpericher die Waffen strecken musste.


spielbericht

In der letzten Runde sind wir zwar spielfrei, aber einer der beiden Aufstiegsplätze ist uns nicht mehr zu nehmen, wie ein Blick auf die Tabelle zeigt. Somit wechselt unsere erste Mannschaft in der vierten Saison in Folge die Klasse, was uns zurecht den Titel Fahrstuhlmannschaft sichert. Nur sollte jemand in der nächsten Saison mal den Halteknopf drücken, damit wir nicht direkt wieder absteigen. Dass dies durchaus möglich ist, belegt diese Saison das Beispiel des SV Hennef I, der die Klasse bereits eine Runde vor Schluss gesichert hat.

Mit uns aufsteigen wird unser Wegbegleiter der letzten Jahre durch die Ligen, die SG Siebengebirge I, die sich in der letzten Runde den Staffelsieg durch ein 4:4 gegen Fritzdorf sichern kann. Neben Limperich wird rechnerisch auch die vierte Vertretung von Godesberg absteigen, deren Sieg gegen Hennef II zu spät kam. Da aber nur neun Mannschaften dieses Jahr in der Bezirksliga vertreten waren statt zehn, und nur Lohmar aus der Verbandsliga absteigen wird, könnte es sein, dass man eine andere Regelung treffen wird. Mal sehen.


tabelle

Ein erfolgreiches Wochenende (Coda)

Nach NRW-Viererpokal, Jugend-NRW-Liga und Aufstieg in die Verbandsliga war es des Schachspielens genug. Erholung und Zelebrieren war angesagt. Aus diesem Grund hatten freundlicherweise Andreas Urh und seine Frau am Sonntag Nachmittag die Akteure zu Kuchen und selbst gemachter Pizza eingeladen. Zaungäste und Schlachtenbummler waren auch willkommen, sodass Olegs drei Kinder und Familie Meinecke die Runde komplettierten. Es hat allen vorzüglich geschmeckt und man hat sich prächtig unterhalten. Mit Bedauern musste ich frühzeitig aufbrechen, da ich meine Familie bei Renovierungsarbeiten in unserem Haus nicht länger alleine lassen konnte.

Ralf Linnemann